Sonntag, 1. Oktober 2017

Stürmische Zeiten

En Jammer met het weer


Bei strömenden Regen verließen wir das gastliche und schöne Dokkum pünktlich mit der ersten Brückenöffnung nach der  Mittagspause und gerieten prompt in einen Konvoi Arbeitsschiffe. Nicht ganz Firma Immergrün, aber nun ja fast. Wir hatten beschlossen, keinen Kreis zu schließen, sondern auf bekanntem Wege zurückzufahren. Die Lits-Lauwersmeer Route hatte uns einfach zu sehr beeindruckt, Stande Mast Route und Leuuwarden würden wir ein anderes Mal machen. Dieses Mal hatten wir unsere Limanda, die größenmäßig passte, das wollten wir ausnutzen. Und außérdem wollten wir auch unbedingt einmal auf dieser Route übernachten. Was wir auch taten. Wenn auch bei Wind und Regen. Einen Großteil der Lits konnten wir aber trocken und sogar wiederum sonnig zurücklegen. Ebenfalls einen richtig schönen Sonnentag hatten wir dann noch in den alde Feanen, die wir diesmal einfach so für Spaß kreuz und quer durchgondelten. mal hier einen Kanal rein, gucken, was da kommt, dann wieder dort und so weiter. Um letzten Endes einen traumhaften Übernachtungsplatz zu haben und ein überraschend sonniges Wochenende. Am Sonntag frischte es dann aber bereits arg auf, unser Plan mitten im Pikmar zu übernachten war somit eher semi klug. Aber nun. Am Steg half uns ein kauziger, aber netter holländischer Seebär und der Ruhebewahrer legt eh gerne Leinen. Vorderspring, Achterspring, Fender umhängen, da wird geknotet, was die Finger hergeben. Und am nächsten Morgen - genau. Firma Immergrün.






Stürmische Überfahrt 


Montag morgen regnete es, aber es war noch mäßig stürmisch. Wir fuhren nach Grou rüber und gondelten ein wenig an der Kade rum. Es war wenig los und irgendwie hatten wir keine Lust, dort zu bleiben. Wären wir mal. Denn alles, was dann kam, war nicht aus der Abteilung lustige Urlaubs-Anekdote. Aber nein - wir machten uns auf Richtung Sneeker Meer. Auf dem Princess-Margriet-Kanal war viel los, viel Berufsschifffahrt. Die hatten wohl auch alle den Buienradar studiert und wollten noch vor dem großen Sturm soweit wie möglich kommen. Wir hatten beschlossen, an dem Tag bis zum Marrekrite Naturhafen vor der Jouster-Sluis zu fahren, am nächsten Tag dann gemütlich nach Joure zu gondeln und dort im geschützten Passantenhaven den Sturmtag zu verbringen. Der Plan war gut, allein die Durchführung erwies sich als schwierig, denn

Wenn die Technik versagt - das Bugstrahlruder fällt aus     


Zunächst aber schaukelten wir übers Sneeker Meer. Anders kann man es nicht sagen, der Buienradar vermeldete Windstärke 6 und die Wellen, die wir uns mit unserer Limanda kreuzen mussten, waren nicht ohne. Wir konnten nur hoffen, dass die Limanda das tun würde, was sie tun soll. So als Stahlverdränger. Tat sie auch, aber mit Mühe. Schnell sahen wir ein, dass wir den direkten üblichen Weg nach Joure nicht nehmen konnten, quer über das Sneeker Meer kamen wir gegen die Wellen nicht an. Den Versuch gaben wir sehr schnell auf, zumal es an solchen Tagen wohl unklug ist, aus der Betonnung rauszugehen. Wir mussten also in der Betonnung/ PM-Kanal bleiben und fuhren dann den Umweg über die auch schon bei geringerer Windstärke schnell kabbelnden Langwerder Wielen. Aber immer betonnt. War schon aufregend und spannend. Aber machbar. Als wir dann aber unseren Zielort erreichten, wurde es brenzlig.

Der Naturhafen bot zwar viel Platz, außer einem einzigen anderen Boot und - tada - Firma Immergrün, die dort bei strömenden Regen Gras mähten, war keiner da. Was nur leider auch mitten im ohnehin schon schwierigen Anlegemanöver nicht mehr da war:  unser Bugstrahlruder. Das meinte ganz gepflegt, es hinter sich zu haben. Macht viel Spaß, wenn das mitten im Manöver passiert und man von einer Windböe erfasst wird. Nur gut, dass der Ruhebewahrer eh meistens ohne Bugstrahl anlegt, nur bei dem Wind wäre es schon wichtig gewesen. An dieser Stelle klopfe ich mir mal selbst auf die Schulter, dass ich letztes Jahr die Idee zu dem anstrengenden Skipper-Training hatte. Ein ganz heißer Dank nochmal und noch ein Jahr später an unseren tollen Skippertrainer Eemke, der genau das mit uns geübt hatte. Wir überließen also dem Wind die Entscheidung, wo wir anlegen würden und es klappte auch noch ganz gut. Auch wenn ich mit Seil in der Hand weiter springen musste, als ich es gerne tue. Und das auf dem rutschigen frisch gemähten Gras. Aber es ging. Die Aktion machte dann einmal mehr deutlich, warum wir uns auf jeden Fall für eine Stahlyacht entscheiden werden, wenn es denn mal so weit ist.  Denn - Stahl gewinnt eben immer. Mit anderen Worten: Uns wäre wohl nichts passiert. Auf einem Stahlschiff ist man auch bei solchen Aktionen sicher. Nur der Steg - der hätte wohl verloren. Und sowas  braucht man ja dann auch nicht während eines Urlaubs. Von daher: uff. Puh.

Wir riefen dann bei Wetterwilles an, schilderten die Situation und auch, dass wir eh nach Joure wollten. Es wurde dann entschieden, dass wir am nächsten Tag met zonder Bugstrahl nach Joure fahren sollen und sie dann einen Techniker schicken. Am selben Tag war unmöglich, denn wir waren mitten auf dem Wasser und somit nur per Boot erreichbar, welches ganz bestimmt an diesem Tag, der auch locker mit Windstärke 7 endete, nicht mehr rausfahren würde.  Der Captain meinte, das würden wir im Jourer Hafen hinkriegen. Das hätten wir ja schließlich ergiebig mit Eemke geübt. Mulmig war mir trotzdem  Der Schreck des stürmischen Manövers mit ausgefallener Technik saß mir noch in den Knochen .Immerhin - die Nacht verlief nach der ganzen Aufregung relativ ruhig, da war uns der Wecker in Gestalt der - jaha, tada, auch bei Wind und Regen unermüdlichen Firma Immergrün schon fast wumpe .




Da wir nunmehr darauf eingestellt waren und der Captain auch genug Zeit hatte, zu überlegen, wie wir die Manöver angehen würden, kriegten wir es dann auch gut hin mit ab- und anlegen. Auch in Joure trotz Wind und trotz enger Boxen. Zwar in Zeitlupe. Aber lehrbuchmäßig. Sogar mein Seil hab ich um den Poller gelegt gekriegt beim Anlegen. Unter strenger Beobachtung der sich bereits im Hafen befindenden Skipper. Geholfen hat da keiner. Obwohl ersichtlich gewesen sein muss, dass uns ein Teil der Technik fehlte. Niemand legte in Joure ohne Bugstrahl- oder Heckstrahlruder an bei diesem Wind. Nur wir. Tjanun. "Die kamen sicher alle aus Greetsiel" Wie wir später gewahr kriegten, waren es tatsächlich alles Deutsche zu diesem Zeitpunkt im Hafen. Geholfen haben den ganzen Urlaub lang nur Holländer. Außer uns habe ich keinen einzigen Deutschen erlebt - den ganzen Urlaub über - der diese eigentlich übliche selbstverständliche seemannschaftliche Hilfe geleistet hätte. Wir dankten im Stillen nochmal Eemke und ich bleibe dabei - ich kann nicht verstehen, wie Leute aufs Wasser gehen, die kaum oder nur ganz wenig Ahnung haben. Aber nun - es soll auch Urlauber gegeben haben, die die ganze stürmische Woche im Heimathafen des Charterbetriebs verbrachten. Kein Witz.

Solange es die Enten nicht vom Steg weht, ist kein Sturm


In Joure kam dann ein Techniker von Wetterwille, baute einen neuen Schalter und noch irgendein Ersatzteil ein, bestätigte die Sturmwarnung für den nächsten Tag und wir blieben in der schönen, uns schon bekannten Stadt. Am Mittwoch war dann tatsächlich richtig, richtig Sturm. Der Buienradar meldete Orkan und gab schon gar keine Windstärke mehr an. Die gesamte Schifffahrt in Nordholland war eingestellt, auch die Binnenschifffahrt. Die Brücken waren geschlossen, auch die kleine fast schon denkmalgeschützte Schleuse von Joure blieb zu. Wir waren also lost in Joure. Machte aber nichts. Wir hatten es nett trotz Sturm. Joure hat ja genug Restaurants, Cafes, Museen und Geschäfte, in denen man ganz prima mehr als einen Tag verbringen kann. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben: Der Hafen ist schon sehr geschützt, so sehr viel haben wir nicht mitgekriegt. Das Boot war perfekt angelegt und vertäut. Obwohl wir später hörten, dass gerade in der Gegend rund um Joure reichlich Sturmschäden zu vermelden waren.  Da war es am Montag mit dem ausgefallenen Bugstrahlruder und Windstärke 6 aufregender als mit Windstärke 8 im geschützten Grienedijk von Joure. Aber es war immerhin so stürmisch, dass selbst die großen Plattbodenschiffe sich deutlich in ihren Seilen bewegten. Das hatte ich so bisher noch nie gesehen. Aber immerhin - unsere Kastanien kullerten uns ganz ohne weitere Mühe vor die Füße. 





Am Donnerstag wurde es dann leider nicht sehr viel besser. Wir fuhren aus Joure ab. sobald die Schleuse wieder frei war, bekamen einen sensationell schönen Regenbogen zum Abschied und ließen uns Zeit mit der Rückkehr zur Wetterwille-Basis. So stürmisch und wellig wie am Montag war es zwar nicht mehr am Sneeker Meer, aber schön geht trotzdem anders. Alles in allem war ich erleichtert, als wir die Limanda unversehrt zurückgeben konnten und genoß das abendliche sehr feine Dinner im Terherner goldenen Löwen umso mehr.



A very great adventure


Auf dem Schiff neben uns im Heimathafen war ein Ehepaar aus Vancouver mit ihren holländischen Freunden. Die Dame aus Kanada fasste die Woche folgendermaßen zusammen: It was a very great adventure. Dem ist wohl nichts mehr hinzufügen. Und wenn es schon eine Vancouverin sagt, dann war es das wohl wirklich. A very great adventure. But a great pleasure. Und jederzeit gerne wieder.

Weitere Bilder im G+Album Stürmische Zeiten

und mehr über Joure im zwei Jahre alten Post Sneekermeer-Joure 


Samstag, 30. September 2017

Dokkum - DIE Entdeckung unseres Urlaubs

Es gibt sie noch, die guten alten Dinge. Hier: das Klompengeld 


Nach einer Nacht, in der mir der full Moon over Lauwersoog nicht den Weg zur Weisheit leuchtete, aber Schlaf raubte, schipperten wir mit leicht vernebelter Sicht zurück zum Ort der Heldentaten, der Schleuse und folgten dann tatsächlich den Schildern nach Dokkum. Im Weg standen uns ziemlich viele bewegliche Brücken, so dass wir nicht ganz so schnell vorwärts kamen wie gedacht. Alleine in Dokkum sind es drei, zwischen denen der Brückenwärter hin- und herradelt und dann an der letzten Brücke seinen Klompen baumeln lässt, um das Brückengeld zu angeln



Wenn man da gerade nicht einen Konvoi erwischt, kann man schon mal länger rumdümpeln. Aber der erste Blick auf Dokkum war schon sehr beeindruckend. Und knackevoll war es dort allüberall. Wir fuhren erstmal durch und legten außerhalb bei Marrekrite an. In der Nähe einer Brücke, die über den Jordaan führte. Vor uns ein kleines Kleinst-Dorf mit mächtiger Kirche, irgendwo vor uns Barthlehem, das friesische Paris-Texas sozusagen ( Barthlehem heißt Bethlehem auf friesisch ) und irgendwo ist da auch noch Nazareth, welches allerdings wohl an keinem Gewässer liegt, sondern in der friesischen Gras-Wüste, denn auf der Wasserkarte war es nicht verzeichnet. Aber dass es da ist, weiß ich aus einem Maarten t'Hart Buch, denn jetzt waren wir wohl in Maarten t'hart Land, dem streng calvinistischen Teil der Niederlande. Aber freundlich waren sie überall. Und feiern können sie auch. Denn in Dokkum waren


Admiraliteitsdagen 

was dann auch die starke Besucher-Frequenz erklärt. Nach einer feuchten, aber frohgemuten Nacht und einem ebensolchen Morgen bei Marrekrites starteten wir direkt nach Brückenöffnungszeit um neun wieder Richtung Dokkum. So war der Plan. Früh dort einlaufen und einen Platz ergattern von denen, die das reizende Städtchen mit der ersten offenen Brücke verlassen. Und der Plan funktionierte. Wir ergatterten einen gar wundervollen Anlegeplatz im alten Hellinghafen kurz vor dem Festungsgraben mit Blick auf die zwei Mühlen und in zum Glück netter holländischer Nachbarschaft. Mehr deutsche Muffels hätte ich auch nicht ertragen nach Hägar, dem Schrecklichen aus Greetsiel. Großspurige Muffköppe beobachteten wir dann lieber beim späteren Aperol-Spritz-Manöver dabei, wie sie den armen Hafenmeister in erregte Diskussionen verwickelten, weil sie nicht einsahen, dass sie ihren Platz räumen sollten für das Fahrgastschiff, welches derweil im Hafenbecken geduldig seine Kreise drehte und alle gepflegt eindieselte. Man lag da doch gerade so exponiert, was interessiert das die Besatzung der großen Charterpötte, dass sie am Steiger der Fahrgastschiffe liegen. Mann, Mann, Mann




Aber davon ab, war Dokkum ganz und gar großartig. Wir verliebten uns so spontan in dieses Städtchen, dass wir direkt beschlossen, noch einen Tag Ruhepause mehr dort zu verbringen. Als wir ankamen, war Wochenmarkt, direkt die perfekte Gelegenheit, die schon ziemlich zur Neige gegangenen frischen Vorräte aufzustocken. Dokkum war früher einmal ein prosperierender Nordseehafen, mit eigenem Admiralshafen - daher der Name der Festlichkeiten - , der dann allerdings mit Beginn der Zuiderzee-Versandung zum Binnenhafen wurde. Übrig geblieben ist eine komplett und perfekt restaurierte mittelalterliche Stadt, die vom Tourismus - nicht nur vom Boots-Tourismus lebt. Der heilige Bonifatius hauchte dort sein Leben aus, man kann es in der grote Kerk bewundern. Die Stadt hat hübsche Geschäfte, schöne Gassen und blumengeschmückte Grachten, in denen die Aktivitäten der Admiraliteitsdagen stattfanden. Wir genossen unsere Ruhetage dort aus vollen Herzen und bei noch recht schönem Wetter und kommen auf jeden Fall wieder.




Tauziehen auf holländisch 




En Jammer met het weer 


Am Freitag brachen wir dort auf, leider bei strömendem Regen. In den Duschräumen lernte ich eine selbsternannte Schrubber-Lilly kennen ( die gute Frau nahm den bereit stehenden Schrubber zum Rausflitschen des Wasser mit unter die Dusche und schrubbte während ihres gesamten Duschvorgangs unermüdlich vor sich hin. ?????? ) , die es zusammenfasste: "Heerlijk Douchje, ne? maar en Jammer met het weer for de dagen" Ja, tatsächlich. En Jammer. Aber es würde noch viel jammervoller kommen. Der Blick auf den Buienradar verhieß nichts Gutes.

Mehr Fotos im G+ Album Dokkum

Donnerstag, 28. September 2017

Einmal Nordsee und zurück

der gelebte Traum - Woche eins Bootsurlaub 2017 

Von Friesland bis zum Lauwersmeer/Waddenzee -einmal Nordsee und zurück 

Aufregend war es dieses Jahr. Für meinen Geschmack vielleicht auch ein kleines bißchen zu aufregend. Aber bitte - wir sind ja keine Schönwetter-Bootsmenschen. Muss man ja alles mal mitgemacht haben. Der Start in den Bootsurlaub kam noch relativ harmlos daher. Wir übernahmen am Freitag bei den wie immer perfekt vorbereiteten Wetterwilles in Terherne "unsere" Limanda, starteten erstmal in Ruhe die Aktion "Rückereroberung der alten Dame" und begnügten/vergnügten uns am ersten Abend an Bord mit ausgiebigem Hafenkino. Kegelclubs, junge Familien mit Babys, Spanier mit Wasserfetisch - es rüstete mal wieder alles zum Aufbruch, was man sich denken kann und von dem man sich erst recht nicht denken kann, wie es auf dem Wasser wohl besteht.

De Winpel zijn klaar

De Winpel zijn klaar 


Den ersten Tag nutzten wir zum gemütlichen Eingondeln auf dem Sneekermeer. Erstmal gucken, was es alles so Neues gibt und vor allem den Schwager/Schwägerinnen-Törn Gedächtnisweg nochmal abfahren. Wir wollen uns ja schließlich auskennen.


Am Sonntag dann brachen wir so "richtig" auf. Die Nordsee war unser entferntes Ziel, meine Nordsee. Naja, ok. Natürlich wollten wir nicht auf die Nordsee, aber wenigstens bis dahin. Geplante Route zunächst: Über das Pikmar in das Naturschutzgebiet Alde Feanen - Lits-Lauwersmeer-Route - Lauwersoog. Der Wettergott war mit uns, die Sonne schien, es war viel los. Erste Übernachtung kurz hinter der "Immer-noch-Idylle-te-koop" an einer kleinen Insel mit tollem Ausblick auf regen Schiffsverkehr an diesem schönen Tag. Nur unterbrochen von sich leicht selbst überschätzenden Charterfahrern, die trotz heulender Bug-und Heckstrahlruder einfach kein Anlegemanöver hinkriegen, ohne das Charterboot gepflegt an die Stege zu dongen. Mein Verständnis dafür: Null. Wenn ich kein Boot fahren kann, dann lass ich es. Und Punkt. (Wie diese Spezialisten die Stürme der folgenden Woche gemeistert haben - man will es gar nicht wissen.)


Die Lits-Lauwersmeer-Route 

Im Zauberwald der alde Feanen übernahm Firma Immergrün das Wecken. Die sprechen sich doch mit ihren Kollegen im Pott ab. Anders kann ich es mir nicht erklären. Einsame Insel, Outback, himmlische Ruhe - wer landet an? Richtig. Die Immergrünen. Aber gut - es ist nach wie vor unfassbar großartig, was die Marrekrite so leistet und ich bin immer noch für wenig so dankbar wie dafür.



Über das Burgumer Meer (ganz ok, aber so toll, wie alle sagen? Äh, nö) befuhren wir dann den Fluss Lits, der uns zum Lauwersmeer führen würde. Die Lits-Lauwersmeer-Route ist erst seit wenigen Jahren offen und aufgrund vieler unbeweglicher Brücken nur mit Booten von einer Gesamthöhe bis maximal 2,90 befahrbar. Was aber anscheinend auch nicht jeder weiß, der frohgemut diese Route einschlägt. Wasserkarten lesen können ist klar von Vorteil. Diese Spezialisten konnten dann üben. Wenden auf kleinstem Raum, drehen auf dem Teller, wie der Bootsmann sagt. Wir aber konnten uns klein machen, Mast umlegen, Equipment auf dem Achterdeck und man selber ebenso, denn das Wetter gab es her, dass der/die (Bolle) Maat schön nach vorne auf den Bug konnte während der gemächlichen Lits-Fahrt. Diese Route ist unfassbar und unglaublich wunderschön, es ist, als ob man durch ein Zauberland fährt. Die Weite Frieslands wechselt sich ab mit baumbestandenen Ufern, so dass man zwischenzeitlich das Gefühl hat, mit dem Boot durch eine Allee zu gleiten. Es gibt zahlreiche Marrekriten, eine schöner als die andere. Ich bin mir ziemlich sicher, dies muss das Broederland sein, in dem der verehrte niederländische Musiker und Schriftsteller  Auke Hulst sich erinnert.  Ich konnte gar nicht aufhören, zu gucken und zu staunen. Nur widerwillig übernahm ich ab und an das Ruder, damit auch der Ruhebewahrer mal nach vorne konnte, um das Wunderland ergiebig zu bestaunen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich genau das für den Rest des Urlaubs tun wollen: Die Lits rauf, die Lits wieder runter und jede Nacht an einer der wunderfeinen Marrekriten.




Heldin der Schleuse 

Es ging aber nicht nach mir. Nach knapp zwei glücklichen Stunden auf der Lits war feddich mit schönschreiben und wir waren in den Dokkumer Nieuwe Zijlen, dem Wasserweg, den ich vorab in zig Filmchen in diesem Internetz erkundet hatte. Backbord tauchte ein Schild auf "Dokkum", Steuerbord eins, welches nach Lauwersoog wies. "Dokkum ist bestimmt ganz, ganz schön" versuchte ich schmeichelnd dem Gatten eine Planänderung schmackhaft zu machen, aber et half allet nüscht. Der Captain sprach ein Machtwort und steuerte zielbewusst die mächtige Schleuse an, die uns vom gelobten Meer trennte. Alexander bei Wetterwilles hatte noch frohgemut gemeint, dass die Schleusen zwischen Lauwersmeer und Friesland eigentlich offen stünden, aber nada. Sluis staat niet open und nach kurzem, nicht ganz so abgeklärtem Wartemanöver fuhren wir dann in dieses Ding ein.



Das war genau das, wovor ich immer richtig Schiss hatte. Zu zweit schleusen. Der Captain wusste vorher auch nur theoretisch, wie es geht und ich war früher mit meiner Segler-Clique zwar öfter dabei, aber damals mit sechs Mann an Bord bestand meine Aufgabe immer nur darin, gut auszusehen und nicht im Wege zu stehen. Das konnte ich. Aber nun - alleine die Seile legen und ziehen. Ganz toll. Aber - zugegebenermaßen sah die Willem-Lore-Sluis, so heißt das Bauwerk, beeindruckender aus, als sie war. Bis die Tore zugingen und wir - im übrigen - ganz alleine in der riesigen Kammer waren, war ich schon wieder ruhiger. Das Seil lag richtig und der Ausgleich des Wasserstandes erfolgte so gemächlich, dass man es kaum spürte. Geschweige denn sah. Das Mächtigste an dieser Schleuse ist wohl die große Brücke, die zeitgleich gehoben werden muss, aber das musste sie für die niedrige Limanda nicht einmal. Was allerdings wohl zu einer ziemlich beeindruckenden Geräuschkulisse führte, weil über uns LKW und PKW donnerten, während wir in der Kammer schaukelten. Aber nun - alles ging gut. Und ehe wir uns versahen, waren wir auf dem Lauwersmeer. Und nein - wir haben kein Bild von uns in der Schleuse. Aus Gründen. Genauso wie es kaum welche vom Sturm gibt. Aus denselben Gründen. Vier Hände sind einfach wenig auf einem Boot. Aber meinen WA-Status habe ich noch am selben Tag geändert. Auf "Heldin der Schleuse". Und da bleibt er auch erstmal. Man muss auch mal auf sich selber stolz sein dürfen.

Zee => =< Meer


Das Lauwersmeer also. Ebenfalls ganz schön, bißchen kabbelig bereits und derart eigenwillig betonnt, dass wir gar nicht so viel sagen können zu der sagenumwobenen Naturschönheit, denn wir waren vollauf mit Steuern ( der Mann ) und Navigieren (ich) beschäftigt. Schließlich aber tauchte die große Schleuse zur Nordsee (die wir ja leider, leider räusper nicht befahren durften)  und das Sturmwehr, welches sehr an meine heiß geliebten Delta-Werke in Zeeland erinnert, vor uns auf. Lauwersoog, das nördlichste Tor zur Nordsee in NL. Von dort gehen die Fähren zur Insel Schiermonikoog und wir hätten also durchaus einen Nordsee-Strandtag machen können. Machten wir aber nicht - denn 1. frischte das Wetter bereits an diesem Tag eindrücklich auf und wir wollten nicht riskieren, die Rücktour bei richtig schlechtem Wetter zu machen und 2. war der Yachthafen in Lauwersoog zwar sehr gepflegt, der Hafenmeister sehr nett, aber idyllisch geht anders und nachdem  Hägar, der Schreckliche aus Greetsiel uns aus seiner popeligen Joghurtschüssel heraus meinte, den King of Kotelett in Holland geben zu müssen, sehnten wir uns bereits wieder nach tröstlicher Zweisamkeit bei Marrekrites. ( Das mit Hägar erzähl ich vielleicht noch oder auch nicht. Klüger ist es wahrscheinlich, dem weiter keine Bühne zu geben. Aber Greetsiel muss leider jetzt damit leben, dank diesem Muffkopp bei uns das Synonym für gar nicht mal so nett geworden zu sein. Den ganzen Urlaub über hieß es "Der kommt bestimmt aus Greetsiel", wenn sich jemand daneben benahm. Und das tut mir leid für das bestimmt schöne Örtchen und die freundlichen Greetsieler, die es bestimmt auch gibt. Aber ich bin es nicht schuld)  Immerhin - wir schnupperten Nordseehafenatmosphäre, aßen feines Leckerbekje ( Fisch des Tages ) und machten immerhin ein Foto, welches all meine Sehnsüchte perfekt zusammenfasst.





 Weitere Fotos im G+Album Einmal Nordsee und zurück

Montag, 8. Mai 2017

Tussendoortje - Tanz in den Mai

Wir haben es tatsächlich schon getan. Wir waren schon draußen, also so richtig jottwehdeh draußen. Als "Tussendoortje" am langen 1.Mai Wochenende. Zu viert mit Schwager und Schwägerin waren wir im geliebten Friesland und tanzten mit Wellen und Wind in den Mai.


Wir charterten ein fast 11m großes Boot, aufgrund unserer guten Erfahrungen wiederum bei Wetterwille in Terherne. Platz genug hatten wir also, zwei Doppelbett-Kabinen mit genug Beinfreiheit, von Kopf-freiheit reden wir ganz dezent mal nicht. Es ist halt ein Boot. Unsere Yacht, die Nord, war eine Rogger, eine Yacht alter traditioneller Bauart, ähnlich den Doeraks, die in Friesland überall rumfahren und sowas wie die schwimmende Entsprechung des Volkswagens sind. Diese Boote haben einen ganz flachen Bug - wozu der gut ist, merkten wir, als wir einmal kurz davor waren, auf Grund zu laufen. Zum Glück nur kurz davor. Es war wohl echt die berüchtigte Handbreit Wasser unterm Kiel. Ein anderes Schiff hatte nicht soviel breiter-Bug-Glück, aber glücklicherweise war da schon andere Rettung auf dem Weg. Wir empfanden die Nord auf jeden Fall mehr so als Gleiter denn als Kreuzer und so richtig begeistert hat uns das nicht. Aber egal. Wir hatten Platz genug und nannten unser schwimmendes Zuhause auf Zeit einfach kurzerhand "die Fähre". Und vor allem mit dem Schwager - von Haus aus erfahrener Segler - hatten wir soviel fachkundige Tatkraft an Bord, dass selbst die schwierigsten Manöver und davon hatten wir bei Windstärke fünf bis sechs so einige - gut zu meistern waren.

Der Schwager ist wie gesagt begeisterter Segler, hat auch ein eigenes Segelboot. Aber ihn interessierte unsere Art des Urlaubs sehr und auch die nicht so camping-begeisterte Schwägerin war neugierig. Vorab- beide fanden es toll und wir werden das sicher wiederholen. Schwägerin und ich haben uns auch schon das nächste Schiff ausgesucht. Die Maxima von Wetterwille. Ist zwar dezente 17 Meter lang, aber was soll's. Sie hat vorne zwei fest integrierte Sonnen-Liegen an Bord, das ist doch wohl top. Ich sehe uns da schon vor meinem geistigen Auge. Kein Wunder, dass das Schiff nach der Königin heißt.

Großartig geplant hatten wir unsere Route vorher nicht, denn " wir kennen uns ja aus". (Wurde das geflügelte Wort des Urlaubs, vor allem, weil wir uns gleich am ersten Tag erstmal so richtig ver-navigierten. Geplant war lediglich, das Sneeker und das Heeger Meer zu erkunden, die größten Segelreviere, da war der Schwager neugierig drauf. Freitags nach Einkauf und Bootsbeladung - ich hatte schon am Vortag festgestellt, es ist fast egal, ob man zwei Tage oder zwei Wochen fährt, die Gepäckmenge unterscheidet sich nur marginal - fuhren wir dann über die offene Terherner Schleuse und wurden tatswahrhaftig von einem aus dem Gebüsch springenden Reh begrüßt. Ab aufs Sneeker Meer, der Wind blies ordentlich, die Sonne war noch zaghaft. Kreuz und quer, einmal kurz bei Hart van Friesland reingeschaut und nach besagter Irrfahrt beim Marrekrite Steg am Houkesloot angelegt. Ruhe, Einsamkeit und Glühwein genießen. So kommen die Reste des Winters doch noch zu Ehren. Wurde gerne genommen, war echt kalt. Aber wir sind ja echte Bootsleute, da wird der Außensteuerstand genutzt, komme, was wolle. Basta.




Die nächsten Tage brachten die spannende Ortsdurchfahrt durch Sneek, die gemächliche durch Ijlst, Brückenmanöver, Aquaduct-Befahrungen, viel viel Wind am Heeger Meer, Mittagspausen an einsamen Marrekrite-Inseln, Abende in mäßig belegten Passantenhäfen, lecker essen in Heeg , Burger mit ohne Brötchen und immer wieder kritische An-und Ablegemanöver aufgrund des Windes. Die aber vor allem unsere Männer souverän meisterten, sogar im engen Wetterwille Heimathafen schafften wir es mit viel Geduld und Augenmaß. Einfach so an den Passantensteg und warten, bis Wetterwilles kommen  - nicht mit uns. Das geht gegen die Ehre unserer doch schon recht erfahrenen Männer, das können alle anderen machen. Wir nicht. Hat auch alles geklappt. Ohne auch nur einen Mini-Kratzer. Und wenn die Fender dafür noch so oft in der Höhe verändert werden müssen. dann machen wir das eben. Bootfahren ist ja nichts für Faulenzer. Spannend diesmal auch die Brückenmanöver. Wozu warten, dass die Brücken sich heben, wenn man auch den Mast legen, die Fahne einholen und sich ducken kann. Fünf Zentimeter Platz unter der Brücke durch reichen doch locker. Unschwer zu erraten, weshalb es davon keine Bilder gibt.



 



Wir sahen viele tolle Boote, beobachten viele spannende Manöver, im Heeger Passantenhafen sogar von einem Plattboden-Schubverband. Die konnten was, die Jungs. Sahen einen Regattastart und auf der Lieblingsinsel vom letzten Jahr . der mit dem Sofa - beobachten wir noch eine ganz verrückte Aktion. Wir saßen gerade schön unter Deck, aßen ein feines heißes Süppchen nach bereits gelungenen Anlege- und Aperol-Spritz-Manövern, als sich mit lautem Techno-Gewumm eins der berüchtigten "Le Boat" Partybomber ankündigte, ganz offensichtlich ein Junggesellenabschied auf dem Wasser. Der arme Bräutigam wurde erstmal unter großem Hallo ins eiskalte Wasser geschmissen, soweit so kalt. Aber was dann kam! Da meint man ja immer, man hätte schon alles gesehen. Das meiste zweimal. Aber irgendeiner setzt immer noch einen drauf. Auf der Insel gab es mehrere große Erdhaufen, wir vermuten, das kleine Hafenbecken wurde neu ausgebaggert. Die Feier-Meier müsen das gewusst haben und ich sach Euch: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Schwägerin beobachtete alles aufmerksam und sagte auf einmal: Die machen eine Möhre aus dem Bräutigam! Wie jetzt? Möhre? Ja, eine Möhre. Der Bräutigam bekam ein Möhrenkostüm angezogen und wurde in seiner ganzen karottigen Pracht in den Erdhaufen gesteckt und mit Erde beworfen. Glaubt es oder lasst es. Aber wir waren zu viert. Wir bezeugen das alle ! Es war kein Halluzinogen in unserer Hühnersuppe. Auch wenn wir sie in Holland gekauft haben.....



Das Wetter war fast durchgehend gut. Sehr sehr viel Sonne, erste Sonnenbrände sind zu vermelden, aber eben auch sehr sehr windig und dadurch wirklich richtig kalt. Die paar Klamotten, die wir bei hatten, hatten wir auch alle an. Übereinander. Aber - wir haben einmal tief durchgeatmet, waren ganz eins mit uns und der tollen Natur. Und wie immer an Bord - einfach glücklich. Und jetzt heißt es warten bis Ende August. Sehnsucht bleibt ein Notfall, ein immerwährender.

Satz des Wochenendes: Wir kennen uns ja aus.
Befehl des Wochenendes: Mast legen, Fahne einholen, Kopf einziehen, nee besser flach hinlegen, dann passt das schon. ( Köpfe sind noch dran, Boot und Brücken unbeschädigt. Passte wirklich alles. Geht doch nichts über Augenmaß)
Rätsel des Wochenendes: Haben Adam und Eva  den Winter nicht überlebt? Sind sie etwa untergegangen?